10.03.2016 23:00 Alter: 3 yrs
Kategorie: Archiv, 2016

Die Zukunft der Logistik-Modelle


Warehouse on Demand (WoD) ist eine flexible und günstige Logistik für den E-Commerce. Immer schneller, immer flexibler, immer unkalkulierbarer - die Ansprüche der Online-Kunden an die Lieferqualität steigen: Same-Day-Delivery, Taggenaue Lieferung, Lieferung binnen Stunden-Frist, Terminlieferungen, Wunsch-Lieferanschrift und Sendungsverfolgung erwartet der moderne Online-Kunde. Eine Herausforderung an die Logistik. Nicht nur an das Zustell-Management. Auch eine Herausforderung an die Logistik-Immobilie. Sie hat mehr und mehr, mobile Ansprüche zu erfüllen.

Das betrifft nicht nur die Flexibilität der Inanspruchnahme von Lagerplätzen und die Möglichkeit, flexibel auf Auftragsschwankungen zu reagieren. Der E-Commerce benötigt flexible unmittelbar zur Verfügung stehende Zustell-Optionen, die darüber hinaus auch noch betriebswirtschaftlich sinnvoll darzustellen sind. Wie aber wird eine Immobilie mobil? Wie werden Fixkosten variabel, also wie werden nur die Logistik-Leistungen zu Kosten, die auch in Anspruch genommen werden? Warehouse on Demand kann eine Lösung sein.

Logistik ist der Schlüssel zum Verkaufserfolg

Eine leistungsfähige und fehlerfreie Logistik sind mittlerweile fast entscheidender für den Erfolg eines Online-Shops als das Sortiment. Selbst eine außergewöhnliche Online-Präsenz mit ausgefeilten Animationen oder die günstigsten Preise reichen für eine positive Beurteilung der Kunden nicht mehr aus.

Die fehlerfreie, schnelle, pünktliche, besser noch die termingenaue Lieferung an den gewünschten Ort bleibt in bester Erinnerung. Weitere Bestellungen und positive Kritiken sind sehr wahrscheinlich. Verspätete Lieferungen oder defekte Ware bleiben jedoch in schlechter Erinnerung. Diese Erfahren zudem eine schnelle Verbreitung über soziale Netzwerke und Bewertungsplattformen. Erschwerend kommt hinzu, dass Kunden im Gegensatz zu positiven Einkaufserfahrungen negative Einkaufserfahrungen eigentlich nie vergessen. Früher oder später der Sargnagel für jeden Shop-Betreiber.

Kunde erwartet online das Offline-Erlebnis

Allerdings gibt sich der moderne Kunde mittlerweile damit allein auch nicht mehr zufrieden. Aktuelle Tracking-Meldungen zum Bearbeitungs- und Versandstatus, eventuell verbunden mit der Möglichkeit, Timing und Versandadresse noch kurzfristig zu ändern, sind gefragt, vom unkomplizierten Retouren- und Austauschservice einmal ganz abgesehen.

Es scheint fast so, als erwarten Kunden heute vom Einkaufserlebnis "Internet-Shop" im Grunde genommen das Einkaufserlebnis "Stationärer Handel". Was zeichnet aber den Einkauf im Ladengeschäft aus? Was erwartet der Kunde oder was verbindet er mit dem Einkauf im Laden?

Zunächst einmal "angucken", "anfassen" und sofort praktisch "vergleichen": Im Internet ist das nicht möglich.  t3n.de hat dazu treffend wie folgt ausgeführt: "Ein ansprechendes Design eines Online-Shops ist mit einem gut dekorierten Schaufenster eines normalen Geschäfts vergleichbar. Folgt man dieser Analogie, dann sind die funktionierende Logistik und ein gute Fulfillment bei einem Online-Shop das, was im stationären Handel ein gut geschultes Verkaufspersonal ausmacht: zum Beispiel kompetente Beratung, kulanter Umtauschservice sowie kurze Wartezeiten an der Kasse und bei der Beratung." (http://t3n.de/news/logistik-fulfillment-ultimative-e-commerce-ubersicht-286134/)

Trend zu Gratis-SDL

Last-but-not-least geht es auf jeden Fall darum, die richtige Ware, zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität, am richtigen Ort und nicht zuletzt zu beherrschbaren Kosten zuzustellen.

Selbst wenn in Umfragen immer wieder die Bereitschaft der Kunden betont wird, einen Mehrpreis für Same-Day-Delivery in Kauf zu nehmen, so zeigen neuere Untersuchungen, einen deutlichen Trend zur Erwartungshaltung, diesen Service kostenfrei zu erhalten. Amazon hat, wie so oft, hier die Vorreiterrolle übernommen.  Es ist nur eine Frage der Zeit, bis weitere Anbieter diesem Trend folgen.

Same-Day-Delivery, Terminzustellung und Anlieferung binnen Stundenfrist sind nicht billig. Der Aufwand für die Logistik ist enorm. Er betrifft nicht nur die Transport-Logistik. Lagerlogistik und das Fulfillment unterliegen ganz anderen Herausforderungen an Flexibilität und Unberechenbarkeit. Nur eine komplexe IT-Landschaft, mit ausgefeilten Funktionalitäten zu Liefer- und Produktdaten und vieles mehr, kann diesen Ansprüchen gerecht werden. Allein reicht es trotzdem nicht. Warum?

SDL erfordert dezentrale Logistik

In den letzten Jahren wurde die Zustellung binnen 24-Stunden-Frist perfektioniert. Immer kürzere Bestellfristen waren möglich. Aufgrund der nahezu idealen Infrastruktur in Europa und ganz besonders in Deutschland war dieser Service über Zentralläger problemlos realisierbar. In Zeiten von Same-Day-Delivery nicht mehr. Eine dezentrale und sinnvollerweise modular aufgebaute Logistik am point-of-customer ist gefordert. Also das genaue Gegenteil.

Es gilt, die Flexibilität und Unkontrollierbarkeit von Same-Day-Delivery zu standardisieren und dafür perfekte günstige Logistiklösungen zu finden, die eine flexible und dynamische Lager-, Pick- und Pack-Logistik mit blitzschneller Anlieferung ohne Planungshorizont gewährleisten.

Logistik nach Bedarf

Eine Konsequenz der Entwicklung ist die Notwendigkeit von hochflexiblen Lagerkapazitäten. Gefragt sind dezentrale, modulare Logistik-Immobilien in unmittelbarer Nähe von Metropolregionen. Services wie Same-Day-Delivery sind zunächst einmal nur dort sinnvoll möglich. Mit der üblichen Logistikorganisation ist das jedenfalls nicht zu machen.

Warehouse on Demand bietet eine perfekte Antwort und Lösung. Leistungen werden variabel in Anspruch genommen. Die fixe Bindung von Kapital und Ressourcen entfällt nahezu vollständig mit einhergehender Risikominimierung. Idealerweise kann der Kunde einer solchen Logistik-Immobilie komplett variabel aus dem Warenkorb Logistik auswählen. Es werden nur tatsächlich in Anspruch genommene Leistungen fakturiert. Der Aufwand für Logistik-Leistungen ist folgerichtig fast vollständig variabel. Die flexible Anpassung an Auftragsspitzen und Wachstum ist jederzeit möglich. Eine optimal auf die Interessen und Anforderungen des E-Commerce zugeschnittene Lösung. Eine Bewirtschaftung in Eigenregie ist natürlich ebenso möglich, mindert jedoch die betriebswirtschaftlichen Optionen.

Für Immobilien-Entwickler und -Vermieter ergeben sich hier neue Chancen, mit ganzheitlichen Ansätzen die Nachfrage zu befriedigen. Allein der Bau einer Logistik-Immobilie reicht dabei nicht. Optimales Gebäude-Layout, smarte hochmoderne Lager- und Kommissionier­technik wie automatische Ware-zur-Person-Systeme mit hoher Flexibilität und Skalierbarkeit, die Integration der vor- und nachgelagerten Prozesse wie Nachschub- und Transportsteuerung, komplexe IT-Strukturen u.v.m. sind in einem konzeptionellen Gesamtansatz zu berücksichtigen.

Renaissance des stationären Handels

Übrigens: Die Entwicklung führt möglicherweise zu einer unerwarteten Renaissance des schon totgesagten stationären Handels. Den oben genannten Analogien folgend, wünscht der Kunde Bequemlichkeit und ein angenehmes Einkaufserlebnis. Hier kann der stationäre Handel punkten und Kunden darüber hinaus mit SDD-Services das Handling der Waren abnehmen. Voraussetzung ist jedoch ein optimal funktionierendes Bestands- und Lagermanagement sowie eine ausgefeilte Versandlogistik. Die Komplexität der Bestell-, Lager-, Verfügbarkeits- und Distributionsprozesse bis hin zu GPS-gestützten Servicefunktionen verlangt mächtige IT-Strukturen. Multi-Channel-Delivery ist deshalb mehr denn je aktuell.

Autor: Jörg Trützschler

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